Wenn Verfahren wichtiger sind als Wirkung – zur Ethik des Verwaltungshandelns

Als Experte in Performance- und Wirkungsmessung war es für mich jahrelang eine erhebliche Herausforderung, Wirkung in der öffentlichen Verwaltung zu messen. Eine Frage hat mich dabei immer wieder beschäftigt: Warum tun sich öffentliche Organisationen in der Schweiz so schwer, klare strategische Ziele (Wirkungsziele) zu formulieren und dafür passende Wirkungsindikatoren zu entwickeln? (dieses Thema – mit konkreten Beispielen – werde ich in einem weiteren Blogbeitrag vertiefen).

Die kürzeste Antwort lautet für mich: wegen des Prinzips der Pflichtenethik (Deantologie). Verwaltungshandeln basiert auf der Einhaltung politisch legitimierter Verfahren. In der Alltagssprache entspricht dies dem Sprichwort: „Der Weg ist das Ziel.“ Die Wirkung (Outcome & Impact) tritt dabei oft in den Hintergrund.

Demgegenüber steht die Folgenethik (Utilitarismus), die das Ergebnis ins Zentrum stellt: Gut ist, was nützt. Verfahren und Mittel haben hier eine untergeordnete Bedeutung. Volkstümlich gesagt: „Der Zweck heiligt die Mittel.“

Die Verwaltungswissenschaftler Kuno Schedler und Isabella Proeller bringen diesen Gegensatz pointiert auf den Punkt:

„Mit anderen Worten handelt die Politik auch dann sittlich, wenn sie unnütz handelt, wenn sie also keinen Nutzen stiftet, so lange sie sich an die politisch legitimierten Verfahren hält.“

Diagramm, das den ethischen Maßstab des Verwaltungshandels darstellt, einschließlich der Begriffe Pflichtenethik (Deontologie) und Folgenethik (Utilitarismus), sowie deren Definitionen und Hauptmerkmale.
Pflichtenethik (Deontologie) vs. Folgenenthik (Utilitarismus) im Detail

Noch schärfer formulierte es der US-amerikanische Ökonom Thomas Sowell in einer Kolumne 2003:

„You will never understand bureaucracies until you understand that for bureaucrats procedure is everything and outcomes are nothing.“

Die Fixierung auf Prozesse und Regeln hat jedoch eine Schattenseite: Sie verhindert organisationales Lernen – insbesondere das double-loop learning. Wenn Verfahren wichtiger sind als Ergebnisse, können Organisationen aus Erfolgen wie auch aus Misserfolgen kaum systematisch lernen.

Mein Fazit: Um eine wirkungsorientierte Verwaltungsführung zu ermöglichen, braucht es ein balanciertes Vorgehen im Wirkungsmanagement – eines, das die Legitimation durch Verfahren anerkennt, aber gleichzeitig Wirkung und Nutzen ins Zentrum rückt.

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